Förderverein hält Freibad über Wasser

Loßburg. Viel körperliche Arbeit, Kassieren, Kalkulieren, Finanzieren, Planen: Michael Hoffer und sein Helferteam leisten ein Pensum, das sie auch ohne Hitzewelle ganz schön ins Schwitzen bringt. Gäbe es jedoch den Förderverein nicht, wäre das Loßburger Freibad wohl schon seit einigen Jahren zu.

So aber brummt der Badebetrieb wie in besten Zeiten: Rund 1000 Besucher aus Loßburg und den umliegenden Gemeinden kommen derzeit täglich in das idyllisch gelegene Freibad. Am Wochenende sind es auch mal 1500 am Tag, und das bringt den Förderverein an den Rand seiner personellen Kapazitäten. Er schultert unter anderem auch den Kioskbetrieb. Wo Pommes frittiert und Würstchen gesiedet werden, ist es fast doppelt so heiß wie im Freien.

Der Förderverein Loßburger Bäder betreibt das Feibad in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde – eine Kombination, die in weitem Umkreis einzigartig ist, wie Hoffer stolz vermerkt. Und nur durch den immensen Einsatz des Fördervereins klappt. "Ehrenamtliches Engagement" heißt denn auch das Zauberwort, das den Erhalt des Loßburger Freibads garantiert. Der Förderverein hat rund 480 Mitglieder. 20 bis 30 davon gehören zum harten Kern der Helfer.

Dass der Freibadbetrieb reibungslos klappt, liegt nach Meinung von Finanzreferent Martin Bäppler nicht zuletzt daran, dass es außer dem Förderverein keinen weiteren Partner für die Gemeinde gibt. Würde eine Firma das Freibad führen, gäbe es, meint Bäppler, einen Interessenkonflikt: Ein kommerzieller Betreiber wolle und müsse Geld verdienen, ehrenamtliche Helfer aber würden nicht einsehen, warum sie seinen Gewinn mit erwirtschaften sollen. Enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor. Alle drei Monate, sagt Schriftführer Peter Stumpf, setzen sich Vertreter des Fördervereins, der Gemeinde, des Bauhofs und der DLRG zu einem Arbeitsgespräch zusammen.

Wegen der Fülle der Aufgaben arbeitet auch der Förderverein "wie eine Firma", sagt Hoffer, im Hauptberuf Maschinenbauingenieur. Die Gemeinde gibt dem Förderverein jährlich einen Betriebskostenzuschuss von 50 000 Euro, etwa den gleichen Betrag erwirtschaftet der Förderverein selbst. Der Zuschuss wird für die Badeaufsicht, Wasser, Strom, Rasen mähen und weitere Arbeiten des Bauhofs eingesetzt. Die Gemeinde ist auch für die Schwimmbadtechnik zuständig.

Der Förderverein organisiert den Freibadbetrieb, besetzt Kasse und Kiosk, reinigt das Schwimmbecken und ist für den Umkleidebereich zuständig. Er pflegt die gesamte Anlage und übernimmt das Aus- und Einwintern des Freibads. Zudem unterstützt er die Badeaufsicht. Und er hat in den vergangenen Jahren einige Investitionen ermöglicht – beispielsweise die Solaranlage für das Duschwasser, das Piratenschiff, Wellenreiter für das Hallenbad und die Neugestaltung des Eingangsbereichs im Freibad.

Eine größere Investition steht noch bevor: Das Kinderbecken ist marode. Wegen baulicher Mängel muss es in jedem Frühjahr für 3000 bis 4000 Euro saniert werden. Ein Neubau des Kinderbeckens ist in absehbarer Zukunft wohl unumgänglich. In seiner Jahresbilanz hat der Förderverein stets ein mehr oder weniger großes Plus. 60 000 Euro hat er seit seiner Gründung vor fünf Jahren in das Freibad investiert, sagt Martin Bäppler.

Möglich war das nicht zuletzt durch das Public Viewing auf dem Waldfestplatz bei Europa- und Weltmeisterschaften, für das Loßburg mittlerweile in der ganzen Region bekannt ist und das der Förderverein im vergangenen Jahr zusammen mit dem Förderverein des SV Wittendorf auf die Beine gestellt hat.

Im Nordschwarzwald ist die Badesaison relativ kurz und das Aufheizen des Badewassers teurer als in wärmeren Gefilden. Die Energiekosten für das Loßburger Freibad betrugen 2013 noch 27 500 Euro, ein Jahr später 6000 Euro mehr – eine wetterbedingte Schwankung, die nach Darstellung Michael Hoffers durchaus im üblichen Rahmen liegt. 20, besser noch 22 Grad sollte das Wasser schon mindestens haben, meint Hoffer, "das muss man sich leisten können" – auch wenn es mal 5000 bis 6000 Euro im Jahr mehr kostet. Als die Gemeinde das Freibad noch selbst betrieb, lag der jährliche Abmangel meist über 150 000 Euro, zeitweise über 200 000 Euro. Im vergangenen Jahr betrug er nur noch knapp 90 000 Euro, davon 50 000 Euro Zuschuss für den Förderverein und der Rest überwiegend für langjährige Abschreibungen.

Ein Vorteil Loßburgs gegenüber anderen Kommunen: Die Gemeinde hat auch ein Hallenbad – dadurch lassen sich Synergieeffekte nutzen. Bei der Gemeinde sind zwei Bademeister angestellt. Der Förderverein übernimmt die Kosten für den Bademeister nur für die Zeit, in der das Freibad geöffnet ist, also rund vier Monate lang.

Geöffnet ist das Loßburger Freibad täglich von 10 bis 19 Uhr. Mitglieder des Fördervereins können von 5 bis 22 Uhr schwimmen. Sie müssen für die Zeit ohne Badeaufsicht allerdings einen Haftungsausschluss unterschreiben. Bei schlechtem Wetter bleibt das Freibad zu. Der erste Frühschwimmer am Morgen sieht nach, ob im Bad alles in Ordnung ist und der Chlorwert des Wassers passt. Dann stellt er eine Ampel am Eingang auf Grün – wenn etwas nicht stimmt, auf Rot.

Vereinsmitglieder arbeiten nicht nur im laufenden Betrieb des Freibads mit, sondern organisieren auch Veranstaltungen und bieten Kurse wie Aquafitness an. Der Förderverein bringt sogar ein eigenes Duschgel auf den Markt: "Midnight Emotion." So heißt auch eine Veranstaltung am Freitag, 17. Juli, ab 19 Uhr, bei der Besucher auf dem Freibadgelände in ein Lichter- und Soundmeer eintauchen können.

Ob die Temperaturen dann noch so hochsommerlich sind wie derzeit, weiß natürlich niemand. Eine Hitzewelle ist jedenfalls schon vorbei: Die Luft im Kiosk kann nun dank eines Geräts gekühlt werden, das Ulrich Scheckenhofer besorgt hat. Wer nun in der Küche steht, ist nicht mehr gleich schweißgebadet.

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